Fragen und Antworten zum Thema Bildung und Digitalisierung

Gibt es von Ihnen oder Ihrer Partei ein Konzept, warum und wie die Digitalisierung der Schule gefördert werden soll?

Unser Konzept sieht wie folgt aus:

  • Umfassende Lehrer – Fortbildungsprogramme für das Lernen mit digitalen Bildungsmedien und bessere Einbindung in die Lehrerausbildung.
  • Bundesweite, fächerübergreifende Bildungsstandards zur digitalen Medienbildung, damit Abschlüsse vergleichbar sind.
  • Änderung des Grundgesetzes, damit der Bund Mittel für die Modernisierung der Schulen zur Verfügung stellen und eine stärkere koordinierende Verantwortung übernehmen kann.
  • In den nächsten fünf Jahren sollen insgesamt 1000€ pro Schüler in die Ausstattung der Schulen etwa mit Breitbandanschluss, WLAN, Tabletts, Software und Notebooks fließen.
  • Die IT-Wartung an den Schulen muß in die Hände von professioneller (ggfs externer) IT-Beauftragter gelegt werden, damit dies nicht mehr von Lehrkräften nebenher erledigt werden muss.
  • Die Schulen müssen Zugang zu Anwendungsprogrammen erhalten: Lehrplanbasierte digitale Unterrichtsmaterialien, Software, Apps
  • Die Schulen sollen ein digitales Medienkonzept in den Schulalltag integrieren.
  • Der Fachunterricht Informatik (ggfs sogar Softwareentwicklung) muss ausgeweitet werden. Alle Kinder sollen computer- und informationsbezogene Grundkompetenzen erhalten.

Gibt es bestimmte Bereiche, wo Sie besondere Digitalisierungs-Mängel sehen?

Wir sehen folgende Mängel:

  • Laut einer internationalen Studie zu Computer – und digitalen Kenntnissen von Schülerinnen und Schülern ist Deutschland von Spitzenplätzen abgeschnitten.
  • Im Bundesländervergleich der Studie „Schule Digital – der Länderindikator“ der deutschen Telekom-Stiftung belegt NRW nur einen Platz im Mittelfeld.
  • 55 Prozent der Lehrer in NRW sagen, dass digitale Medien seltener als ein Mal pro Woche im Unterricht genutzt werden.
  • Nur die Hälfte der bundesweit befragten Lehrer gibt im Länderindikator an, dass ihre Schule über Klassensätze an Tablets, Computern oder Smartphones verfügt. In vielen Schulen fehlt WLAN im Klassenraum und eine technische Unterstützung und Wartung der IT-Ausstattung. Es kann nicht die Aufgabe der Fördervereine oder Eltern sein, dafür Geld aufzubringen.
  • Weniger als die Hälfte der Schulen verfügen über ein in den Schulalltag integriertes Medienkonzept.
  • 65 Prozent der Lehrkräfte meinen, dass Programmieren nicht zu den Alltagsfähigkeiten wie Rechnen oder Schreiben gehören soll.

Und welche herkömmlichen Bereiche oder Aufgaben der Schule können oder sollen gekürzt werden, damit in der gewonnenen Zeit die digitale Erziehung der Schülerinnen und Schüler betrieben werden kann?

Der Lehrplan muß den aktuellen Bedürfnissen also alltagspragmatisch angepaßt werden. Christian Lindner hat es mit den folgenden Worten ganz gut auf den Punkt gebracht: „Warum sollen die Schüler ein Gedicht in 4 Sprachen interpretieren können, wenn sie nicht wissen, wie sie einen Mietvertrag abzuschließen haben?“ Dazu gehören auch Kenntnisse in Digitalisierung und Softwareentwicklung.

Warum soll Ihrer Meinung nach die Digitalisierung der Schule gefördert werden?

Wir sind überzeugt, dass unser Bildungssystem in der Zukunft ankommen muß und nicht weiter in der „Kreide“-zeit verharren soll. Die Kinder müssen auf das digitale Zeitalter vorbereitet werden.
Chancen für alle: Alle Kinder und Jugendliche sollen durch die Schule frühzeitig und kompetent auf eine Zukunft mit digitalen Medien vorbereitet werden, weil diese eine immer größere Rolle in unserem Alltag spielen und essentiell für das berufliche Vorankommen eines jeden Einzelnen sind.

Ergänzend würde mich insbesondere Ihre Position zur Diskussion interessieren, ob Schülerinnen und Schüler durch intensiven Handygebrauch schon wichtige analoge Fähigkeiten verloren haben, die durch die Schule eher wieder verbessert werden müssen.

Wir fordern eine Forcierung des digitalen Medieneinsatzes bereits in den Grundschulen. Neben Lesen, Schreiben und Rechnen sollte der Umgang mit digitale Medien bereits dort vermittelt werden. Der intensive Handy Gebrauch muß sinnvoll umgesetzt und mit klaren Regeln reglementiert werden. Es muß ein Miteinander geben.

Schließlich: gilt Digitalisierung als eigener (durchweg positiv besetzter?) Wert, werden eventuell auch Gefahren in der Digitalisierung (auch der Schule) gesehen und — wenn ja — soll möglichen Gefahren im Unterricht begegnet werden? Durch wen und wie?

Als Partei, die bekannt ist ist für den persönlichen Datenschutz, ist uns wichtig, dass den Kindern der vertrauensvolle Umgang mit den digitalen Medien vermittelt wird. Den Gefahren wie Cyber Mobbing muß mit konsequenter Aufklärung und Regeln entgegengetreten werden.

Welche Realisierungschancen räumen Sie dem Digitalisierungs-Konzept der FDP ein?

Da unsere zentralen Punkte Bildung, Stärkung der Wirtschaft und Infrastruktur sind, ist die Digitalisierung der Schulen eine unserer wichtigsten Forderungen.

Sind schon konkrete Pläne mit eventuellen Koalitionspartnern abgestimmt oder will die FDP die Umsetzung der Digitalisierungs-Ideen wenigstens versuchen?

Auf unserem Landesparteitag in Hamm am 2. April haben wir uns klar dafür ausgesprochen, keine Koalitionsaussage zu treffen. Ich weiß von keinen Absprachen. Die FDP Führungsriege um Christian Lindner täte sich damit auch keinen Gefallen, bereits jetzt Absprachen zu treffen. Unser derzeitig vorrangigstes Ziel ist, erfolgreich im Landtag NRW vertreten zu sein. Darüberhinaus müssen unsere Forderungen, die wir in 7 Jahren in der Opposition im Landtag NRW entwickelt haben, in Koalitionsverhandlungen einen Platz finden.

Wie wichtig ist Ihnen selbst eine Realisierung?

Als Mutter von 2 Kindern auf weiterführenden Schulen ist mir sehr wichtig, dass meine Kinder optimal auf die digitale Zukunft vorbereitet werden. Es kann nicht sein, dass wir als Eltern die Initiative selber ergreifen müssen, unseren Kindern digitale Kenntnisse zu vermitteln.

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